Förderung bei Autismus

 

1. Das Autistische Spektrum (ASD)

2. Autismus an der Bischof-Wittmann-Schule

3. TEACCH/PECS

 

Haut, die nichts spürt,
Augen, die schauen.
Ohren, die zuviel hören.
Das ist ein Leben
der großen Plagen.
Ich weiß bescheid.

  Dietmar Zöller, Autist
 

 1. Das Autistische Spektrum (ASD):

 „Autistisches Spektrum bedeutet, dass Autismus in unterschiedlichen Schweregraden und Varianten in Erscheinung treten kann: Mit schweren mehrfachen Beeinträchtigungen, als Kanner-Syndrom mit oder ohne zusätzliche geistige oder körperliche Behinderung oder als diskrete Störung bei Menschen mit der Diagnose High-Functioning-Autism, Asperger-Syndrom oder Teilautismus.“

(Matthias Dalferth in der Fachzeitschrift „praxis ergotherapie“, April 2007)

 

 Während man in den 90er Jahren davon ausging, dass bei 5-6 von 10.000 Menschen ein autistisches Syndrom diagnostiziert werden kann, legt heute eine Fülle von internationalen epidemiologischen Studien nahe, dass bis zu 65 Personen von 10.000 dem sogenannten autistischen Spektrum zugerechnet sind.

(Deutsches Ärzteblatt vom 14.7. 2006)

 
Einige Leitsymptome des ASD: (zusammengefasst von autismus Deutschland e.V.):

 

Scharfe Gewürze liebe ich sehr,
nicht weil es gut schmeckt,
sondern, weil ich dann meinen Mund
gut spüren kann.

  Dietmar Zöller, 1992

 

2. Autismus an der Bischof-Wittmann-Schule:

 Entwicklung:
Die Erkenntnis, dass Einrichtungen auf die speziellen Bedürfnisse autistischer Menschen eingehen müssen, hat die Schulleitung der Bischof-Wittmann-Schule bereits 1990 bewogen, eine Kleinstklasse von zunächst 5 etwa altersgleichen, autistischen Kindern zu bilden. Durch den Wegzug eines Kindes waren über einen längeren Zeitraum nur noch 4 Kinder in der Klasse. Dieser Umstand ermöglichte es dem Personal von Schule und Tagesstätte, nach eingehender Weiterbildung auf die individuellen Eigenheiten der Kinder im besonderen Maße Rücksicht zu nehmen. Die Lehr- und Lernsituation konnte entsprechend differenziert strukturiert werden. Die erscheinungsbild-spezifische Hilfestellung, die bei der Realisierung von Kommunikation und alltäglichen Verrichtungen im Vordergrund stand, konnte so ein geeignetes Lernklima schaffen. Nachdem sich die Kinder in ihrem Klassenverband sehr wohl gefühlt hatten, konnte in den darauf folgenden Jahren jeweils 1 weiteres Kind ohne größere Schwierigkeiten in die Klassengemeinschaft aufgenommen werden (Klassenstärke 8 Kinder). Auch in anderen Klassen waren Kinder mit autistischen Erscheinungsformen integriert.
 

Seitdem finden wir an unserer Einrichtung in allen Altersstufen, von der SVE (Schulvorbereitende Einrichtung) bis in die Berufsschulstufe, Kinder/ Jugendliche mit einer autistischen Störung, meist dem Kanner-Syndrom zuzuordnen.
 

Therapie und Elternarbeit:
Die sogenannte Autisten-Klasse wurde von Anfang an von der Ergotherapeutin Ida Dußmann intensiv begleitet, d.h. jedes der autistischen Kinder bekam in der Regel 2x wöchentlich Ergotherapie. Hier konnten Lernschritte angebahnt und zur Übernahme im Gruppenverband vorbereitet werden. Die interdisziplinäre Arbeit war von großer Bedeutung. In den Jahren hat sich ein mehrdimensionales Behandlungskonzept als besonders vorteilhaft erwiesen.

 

Zitat Ida Dußmann, „praxis ergotherapie“ Dez. 99:
„Um mit einem autistischen Kind zu arbeiten muss aus einer Vielzahl von therapeutischen Möglichkeiten, Konzepten und Methoden unterschiedlichster ideengeschichtlicher Herkunft eine geeignete Auswahl getroffen werden.

Realistisch brauchbare Methoden und Konzepte sind m.E. jene, welche die Individualität des Kindes ins Zentrum rücken, sein Entwicklungsalter berücksichtigen und den Anforderungen seiner familiären und schulischen Umwelt gerecht werden.“
 

Ein ganz besonderes Augenmerk wurde auf die Elternarbeit gelegt. Zunächst wurden Elterngespräche in z.T. wöchentlichen Intervallen für sehr stark verunsicherte Eltern eingeführt. Im Herbst 1988 konnten die ersten Kontakte zu Herrn Prof. Dr. Matthias Dalferth von der Fachhochschule Regensburg geknüpft werden. Mit seiner Unterstützung fand die erste Elternzusammenkunft statt. Im Mai 1989 wurde ein regelmäßiger Eltergesprächskreis gegründet, an dem auch hilfesuchende Eltern aus entfernteren Regionen, wie Amberg, Neumarkt, Irchenried, Straubing und Ingolstadt im monatlichen Rhythmus teilnahmen. Prof. Dalferth begleitete den Elterngesprächskreis, über die Gründung des Regionalverbandes „Hilfe für das autistische Kind“ hinaus, allmonatlich. Einen großen Stellenwert hatte die weitere Förderung der Kinder nach ihrer Schulzeit. So konnte der Eintritt ins Berufsleben hier im Speziellen in die Förderstätte Reichenbach gut eingeleitet werden.
 

Der Regionalverband bietet seit Februar 2006 unter der Leitung von Melanie Müller (Mutter eines autistischen Mädchens und Schriftführerin des Regionalverbandes Regensburg) außerdem noch den Gesprächskreis „Der kleine Autist“ an. Dies ist ein Treffen von Eltern für Eltern mit autistischen Kindern im Alter von 0 bis 12 Jahren, welches im Abstand von 1 bis 3 Monaten in den Räumen der Bischof-Wittmann-Schule stattfindet. Hier gibt es die Möglichkeit aktuelle Themen, Krisensituationen und Erfolgserlebnisse auszutauschen. Auch gemeinsame Aktivitäten, wie z.B. schwimmen, snoezelen und wandern sind mit im Programm. Zusätzlich wird der Gesprächskreis von Frau Schweigert (Ergotherapeutin) und Frau Weigert (Physiotherapeutin) begleitet.
 

Fortbildungen:
Ab 1987 - 1993 fanden an der Bischof-Wittmann-Schule monatliche Treffen von regional arbeitenden Ergotherapeuten statt, wobei auch die jeweils neueren Erkenntnisse zum autistischen Krankheitsbild erörtert wurden. Im Herbst 1989 fand hierzu die 1. Fortbildung zum Thema: „Wahrnehmungseigenheiten bei autistischen Kindern“ an der Bischof-Wittmann-Schule statt, bei der Herr Prof. Dr. M. Dalferth und Frau Dußmann referierten. Weitere Fortbildungen zum Thema Autismus wurden in den darauffolgenden Jahren auch an ambulanten, schulischen und an stationären Einrichtungen bayernweit angeboten. In der Fachzeitschrift „praxis ergotherapie“ erschien im Dez. 1999 ein Fachartikel von Frau Dußmann mit dem Titel „Bewährte Therapieformen und ihre Einbindung in den Schulalltag bei Kindern und Jugendlichen mit frühkindlichem Autismus“.
 

Im November 2005 folgte eine hausinterne Fortbildung „Zeit und Raum – Haben sie Struktur?“ zum Thema Autismus, Unterstützte Kommunikation, TEACCH und PECS. Es referierten Frau Weiser (Logopädin), Frau Schweigert (Ergotherapeutin) und Frau Weigert (Physiotherapeutin).

 

Therapiemethoden/ -konzepte an der Bischof-Wittmann-Schule:
 

Schwerpunktmäßig arbeiten wir mit:

 
Weitere Fördermaßnahmen:

  • Sensorische Integration

  • Affolter

  • Bobath

  • Ferrari

  • Montessori

  • Verhaltenstherapie

  • Reiten

  • Schwimmen

  • u.v.m.

  

3. TEACCH/ PECS
 

TEACCH-Konzept:
 

T –    Treatment and
E –    Education of
A –    Autistic and related
C –    Communication handicapped
CH – Children
 

Übersetzung:
Behandlung und schulische Förderung autistischer und in ähnlicher Weise kommunikationsbehinderter Kinder
 

Aus dem TEACCH-Konzept arbeiten wir mit den Elementen

  • Strukturierung

 

 

  • Visualisierung

 

 

  • und Individualisierung.

 

 

PECS:
 

P – Picture
E – Exchange
C – Communication
S – System

 

Übersetzung:
Kommunikationssystem mit Bildkartenaustausch
(wir nutzen auch Realgegenstände oder Fotos)
 

Vorgehensweise:
Das grundlegende Prinzip der Kommunikation, der sprachliche Austausch, wird durch eine Handlungskomponente plastisch gemacht. ► An die Stelle des Austausches von verbal gesprochenen Worten tritt der Austausch von Bildkarten.

 

Ziel:  
Erlernen der Bedeutung von menschlicher Kommunikation, um

  • Wünsche und Bedürfnisse mitteilen,

  • individuelles Erleben mitteilen,

  • und gemeinsames Erleben teilen zu können.

  für den Text: Ida Dußmann, Judith Schweigert, Silvia Weigert